Rezept für „Spaziergang durch den Garten“

Spaziergang durch den Garten

Im April braucht man nicht unbedingt ein Rezept, wenn man einen Garten hat. Inspiriert von dem kürzlich besuchten Kräuterstammtisch, bin ich einfach mit dem Korb nach draußen gegangen, um zu schauen, was Mutter Natur an Kraut und Unkraut so frisch im Angebot hat. Der gute Bekannte von Letztens, der Giersch, hat sich natürlich mehr als nur erholt von meiner ersten Pflückaktion. Dann hätten wir noch den allgegenwärtigen Bärlauch, Knoblauchrauke, wilden Schnittlauch, ein bisschen Wiesenkresse und Hopfen. Nach 10 Minuten habe ich meinen Korb voll Kräuterglück und Wildgemüse.

Knoblauchrauke

Gutes behandle ich nach Möglichkeit einfach und halte mich zurück. Zutaten die für sich selbst sprechen können, sollte man nicht kulinarisch mundtot machen. Also gibt es einfach Rührei mit Bärlauch und Schnittlauch, dazu Giersch und Knoblauchrauke mit etwas Blauschimmelkäse abgerundet, ein Hopfenbündel in Schinken. (Ja, Hopfen kann man nicht nur trinken, sondern auch essen.) Dazu Pellkartoffeln. Man sollte der Versuchung widerstehen, alle Kräuter in alle Gerichte zu geben. Dann schmeckt das zwar frühlingsgrünfrisch aber auch recht einheitlich. Also lieber die Geschmacksnoten verteilen und fein kombinieren.

Wild und gut

Bärlauch und Schnittlauch feinschneiden, frische Eier aufschlagen und die Kräuter einrühren, dann ziehen lassen. Den Giersch und die Knoblauchrauke waschen, trockentupfen und beiseitestellen. Diese Kräuter kann man als wildes Blattgemüse ähnlich wie Spinat zubereiten. Dafür einfach in nicht zu heißer Butter bei geschlossenem Deckel 10 Minuten dünsten und dann etwas Blauschimmelkäse hinzugeben, mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken.

In der Zwischenzeit Kartoffeln gebürstet aber ungeschält in Salzwasser garen, es dürfen gern Welche aus dem Herbst sein, sie werden viel besser schmecken als importierte Frühkartoffeln vom anderen Ende der Welt. Auf die Kartoffeln kommt ein Dämpfaufsatz, wenn man den nicht hat einfach ein Sieb auf einen hohen Topf stellen, so dass es nicht in das Wasser reicht. Dort hinein kommen 7 Minuten vor Ende der Garzeit die Hopfensprossen. Man schreckt sie dann kurz ab, umwickelt jeweils die Hälfte mit einem Streifen Schinken und brät die so geformten Bündel sehr kurz in aufgeschäumter Butter. Jetzt auch die Eier mit den Kräutern braten, damit alles zusammen fertig wird.

zartes Gemüse

Weil Sammeln enorme Freude bereitet ist nun etwas mehr zusammengekommen, aber das trifft sich gut. Auch beim Kochen hat es etwas für sich, mit Intelligenz faul zu sein. Dafür bedarf es nur ein Bisschen Erfahrung oder Planung. Zu viele Kräuter? Dann wird aus Schnittlauch & Bärlauch „grüne Butter“, die zu Fleisch, Fisch, Gemüse, Pasta, auf frisches Brot, schlichtweg zu (fast) Allem passt. Kräuter sehr fein hacken, in zimmerwarme Butter einrühren, dann in ein Glas streichen und verschlossen im Kühlschrank aufbewahren. Der Vorteil: nach ein paar Tagen ist das Aroma sogar noch voller und runder.

Knoblauchrauke und Bärlauch kombiniert und mit Majo, Senf, Kapernwasser und Kapern aufgeschlagen ergibt eine köstliche Kartoffelsalatbasis. Auch hier ist eine Nacht im Kühlschrank aufbewahren besser, als sofort zuzugreifen. Die Eier für den Salat habe ich einfach mit dem Hopfen im Dampf über den Kartoffeln gegart… faul sein ist logistisch und energetisch sinnvoll.

Hopfensprossen

Ein Wort zum Hopfen. Seine sehr jungen Triebe werden mit Spargel verglichen und ähnlich zubereitet. Man kann diese Spezialität nur zum Beginn des Frühlings genießen, bevor die Triebe ihre typische, raue Oberfläche entwickeln. Das passiert, sobald sich Blätter zeigen. Das Ausbilden neuer Triebe strengt die Pflanze enorm an, daher sollte man schonend und sparsam sammeln, nur das, was man jetzt wirklich verwendet. Bitte achtet die Pflanzen und Bestände.

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