Brennnessel – das Gemüse, das überall wächst

Ein Kraut, das jeder kennt, aber leider fest niemand verwendet, ist die Brennnessel. Sie ist in fast jedem Garten und an vielen Stellen in die Natur zu finden. Ihre kräftigen Triebe wachsen jetzt im Frühjahr rasch und sind voller Energie und Kraft. Statt sich über das angeblich so lästige Unkraut zu ärgern, sollte man es lieber in der Frühlingsküche verwenden.

Gemeinsam mit Christine Cieslak möchte in diesem verrücken März 2020 eine Serie starten. Von Christin, der Naturheilpraktikerin, kommt in unserer Serie viel Wissenswertes über Kräuter und ihre Wirkung (Texte kursiv), von mir kommen Inspirationen für einfache und köstliche Gerichte, die man damit zubereiten kann.

Der Geschmack der Brennnessel ist durchaus sehr charakteristisch und wer das Kochen mit Wildkräutern nicht gewohnt ist, empfindet ihn vielleicht als zu streng. Ich möchte in meinem Rezept ein paar Tipps verraten, wie man die Nesseln geschmacklich fein abgerundet. Für das Sammeln der Nesseln vorab einige Hinweise. Da die Brennnessel ein Kulturfolger ist, und gern in der Nähe von Siedlungen und genutzten Flächen wächst, sollte man auswählen, wo man sammelt. In der Nähe des heimischen Komposthaufens oder auf einem schon lange brachliegenden Stück Acker ist es natürlich ideal zu sammeln. In der Nähe intensiv genutzter Flächen oder befahrener Wege ist es hingegen ungünstig. Der Geschmack der Brennnesseln verändert sich übrigens je nach Standort ein wenig. Es lohnt sich, mal zu prüfen, wo die „leckersten Brennnesseln“ gedeihen. Dafür lohnen Spaziergänge in die nähere Umgebung auf jeden Fall. Von den jungen Brennnesseln sammelt man immer die oberen Spitzen mit einigen Blattpaaren. Am besten, man verwendet für das Erntegut einen offenen Korb.

In der heutigen Zeit haben unsere konventionellen Lebensmittel oft nicht mehr so viel Mineralien als Inhaltsstoffe. Gerade deshalb ist die Brennnessel für uns heute interessant, als Nahrungspflanze und als Heilpflanze. Ich beschreibe hier die Heilwirkung. Das entfaltet die Brennnessel bei regelmäßiger Einnahme als Tee, Tinktur, Frischsaft über einen Kurzeitraum von 2 bis 4 Wochen. Jetzt einen genaueren Blick auf die reichen Inhaltsstoffe. Da sind die Mineralien wie Kieselsäure, Eisen, Kalium, Kalzium, auf die ich hier meinen Schwerpunkt lege.

  • Eisen in 100 g 7,8 mg, dazu im Vergleich: Kopfsalat 1,1, Rosenkohl 1,1            
  • Calcium in 100 g 630 mg, dazu im Vergleich Kopfsalat 37, Rosenkohl 31

Wir wissen, dass Mineralien den Körper helfen basischer zu Verstoffwechseln, somit einer Entsäuerung helfen. Weiterhin wird sie durch den Eisengehalt bei Anämien empfohlen, da sie die Blutbildung anregen sollen. Nicht zu vergessen ihre entzündungshemmenden Eigenschaften, die bei Gelenkerkrankungen stark geschätzt werden. Allgemein gilt sie als Stoffwechsel anregend, „blutreinigend“ und wird deshalb bei Frühjahreskuren empfohlen. Weitere Details führe ich hier nicht aus, sie würden den Rahmen sprengen.

Die Brennnesseln werden als Erstes gut verlesen, alte Blätter oder Verunreinigungen entfernen und dann die Ernte gut wässern und abtropfen lassen. Pro Person sammelt man zwei Hände voll Nesseln. Diese gibt man in einen Topf mit kaltem Wasser und reichlich in Scheiben geschnittenen frischen Ingwer. Alles zusammen zum Kochen bringen und leicht sprudelnd 5 Minuten kochen. Dann die Brennnesseln mit einem Schöpflöffel aus dem Wassernehmen, abschrecken und ausdrücken, grob hacken und beiseitestellen.

Das Kochwasser ist unser Tee, den man am besten abkühlen lässt, bis er lauwarm wird. Dann kommt der Saft einer frisch ausgepressten Zitrone hinzu. Es ist wichtig, dass der Tee nicht mehr über 40 °C hat, da sonst der Vitamingehalt des Zitronensafts verringert wird. Der Zitronensaft verhindert, dass der Tee sich dunkel verfärbt, was sonst bei Brennnesseltee sehr schnell passiert. Das Frische der Zitrone und das Scharfe des Ingwers machen aus dem Tee eine köstliche Erfrischung, die sehr gesund ist und perfekt auf den Frühlingstisch passt.

In einem Topf Butter schmelzen lassen und Zwiebeln darin glasig dünsten. Die gekochten, gehackten Brennnesseln hinzugeben und unterrühren leicht anbräunen. Man kann die Mischung mit etwas Weißwein ablöschen und Crème fraîche unterheben. Abgeschmeckt wird mit Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss.

Diese Masse kann man sofort wie Spinat servieren, als Füllung für Pfannkuchen oder als Basis für eine köstliche Kräuter-Gemüse-Suppe verwenden. Sehr gut finde ich die Kombination mit Bärlauch, der im Frühling ebenfalls Saison hat. Ich habe etwas Bärlauch mit saurer Sahne und einigen Nüssen zu einer Creme püriert, die ich auf Blinis streiche. Darauf wird dann die Brennnesselmasse verteilt und mit gehackten Kräutern und geriebenem Käse garniert.

Diese uns wohlbekannte Pflanze ist eine feurige Heilpflanze. Am hervorstechendsten ist vielleicht der Mineralreichtum des Kräutleins. Das ist auch eine der Ursachen, warum sie so harntreibend ist und stark die Harnsäure ausscheidet. Oft beschweren sich Patienten, dass sie bei Einnahme des Tees, des Frischpflanzensaftes oder der Tinktur ungewöhnlich oft Urin lassen müssen und die Urinfarbe sich hin ins gelbliche ändert und auch vom Geruch unangenehmer wird. Hier erkennen wir die Wirkrichtung und können uns freuen, dass das Ausscheidungsorgan Niere so wunderbar anfängt verstärkt zu arbeiten. Nach regelmäßigem Tee trinken, lässt das nach und die Urinfarbe wird wieder heller. ACHTUNG: Bei Nierenentzündungen sind Heilmittel aus der Brennnessel nicht empfohlen.

Ich empfehle eine feurige Frühjahreskur. Sammelt täglich etwas frische Brennnesselspitzen, gießt Euch damit einen Tee auf. Evtl. besorgt ihr Euch einen Frischpflanzensaft und trinkt täglich ein Gläschen davon. Für weitere therapeutische Anwendungen empfehle ich eine HeilpraktikerIn aufzusuchen, die pflanzenheilkundlich arbeitet und Euch begleiten kann bei der Kur.

Bleibt gesund und genießt das Leben!

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