Ein Korb voll Glück

Ein Korb voll Sommer

Sommeranfang im Juni

Es gibt Tage, an denen der Sommer nicht leise beginnt.

Die Sommersonnenwende ist so ein Tag. Viel Licht, warme Luft, ein Himmel, der lange hell bleibt. In diesem Jahr kommt dazu ein Juni, der sich satt anfühlt: erst Regen, dann üppiges Grün, nun Hitze. Die Landschaft steht nicht zart im Sommer, sie steht mitten darin.

Was der Juni gerade hergibt

An solchen Tagen zieht es mich nach draußen. Nicht weit weg, nicht auf der Suche nach etwas Besonderem. Eher dorthin, wo der Sommer ohnehin schon liegt: am Rand der Wege, zwischen Kräutern, Blüten, Blättern und allem, was gerade wächst.

In meinem Korb landeten Lindenblüten, Rosenblätter und ein paar Kräuter, die der Juni gerade hergibt. Nichts davon braucht viel Erklärung. Lindenblüten bringen diesen weichen, hellen Duft mit, der nur für kurze Zeit im Jahr da ist. Rosenblätter sind fast zu schön, um sie einfach mitzunehmen – und genau deshalb gehören sie manchmal doch in den Korb. Dazu ein wenig Grün, etwas Herbes, etwas Frisches.

Ein Korb voll Sommer eben.

Ein einfacher Kaltauszug

Daraus setze ich mir einen Kaltauszug an. Kein großes Rezept, keine genaue Wissenschaft. Die Blüten und Kräuter werden kurz abgespült, leicht angedrückt und mit Wasser aufgegossen. Dann bleibt die Flasche über Nacht stehen.

Ich mag diese Art der Zubereitung, weil sie so wenig von mir verlangt. Kein Kochen, kein Rühren, kein Abschmecken. Nur Sammeln, Ansetzen und Warten. Wasser, Pflanzen und Zeit.

Wasser, Pflanzen und Zeit

Am nächsten Morgen hat sich der Sommer verändert. Er ist nicht mehr nur draußen in der Hitze, im Licht und in der Luft. Er ist in der Flasche angekommen. Das Wasser schmeckt grün, manchmal herb, manchmal blumig. Nach Garten, Gärtnerei, Lindenblüte, Rose und einem heißen Junitag.

Vielleicht ist das für mich das Schönste an solchen kleinen Küchenritualen: Sie halten nichts fest. Sie machen keinen Vorrat für später, keine große Konserve, kein fertiges Produkt. Sie nehmen nur einen Moment auf und geben ihn am nächsten Morgen wieder frei.

Den längsten Tag nicht festhalten

Gerade zur Sommersonnenwende gefällt mir dieser Gedanke. Den längsten Tag nicht festhalten wollen. Ihn nicht noch größer machen, als er ohnehin ist. Sondern ihn langsam in eine Flasche sinken lassen.

Ein Korb voll Sommer.

Mehr braucht es manchmal nicht.

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